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SWBR_magazin_01_2018

DAHOAM — Magazin der Stadtwerke Bad Reichenhall 9 8.630,20 Kilometer Luftlinie sind es von München nach Pyeongchang. Der südkoreanische Landkreis liegt ungefähr auf der geographischen Breite von Sizilien und auf rund 700 Metern Höhe. Die Winter können hier lang und schneereich sein. Können. Heuer war von Weiß nicht viel zu sehen. „Es war alles etwas braun und trist und die Baukultur ist sehr merkwürdig. Siedlungen werden nicht auf die Sonnseite sondern in den Schatten der Berge gebaut“, beschreibt Johanna ihre Eindrücke. „Dafür sind die Menschen unglaublich hilfsbereit und freundlich. Und sehr klein“, lacht die 1,78 Meter große 21-jährige Berchtesgadenerin. Seit der Schulzeit sind sie und Snowboarderin Ramona Hofmeister aus Bischofswiesen dicke Freundinnen. Bei jedem Rennen fiebert Johanna mit, drückt die Daumen, schreit, feuert an. Und ist eindeutig aufgeregter als die Sportlerin selbst. Genauso wie Ramonas Mutter Hannelore und die beiden Schwestern Sandra und Melanie. Und was ein richtiger Fanclub ist, der nimmt auch den 13-stündigen Flug nach Pyeongchang via Moskau auf sich, um bei Olympia dabei zu sein. Was macht da schon eine nonstop jaulende Katze im Flieger. „An Schlafen war echt nicht zu denken“, sagt Johanna tapfer. Weitaus schlimmer war das fehlende Gepäck bei der Ankunft in Seoul. Ausgerechnet der Koffer von Mama Hannelore mit dem großen Banner war unterwegs verloren gegangen. Dabei hatte der Fan-Trupp doch extra ein großes www.stadtwerke-bad-reichenhall.de Plakat für Ramona anfertigen lassen. Kein optimaler Start für die Damen. Letztlich fanden sie Ersatz in einer Edeka-Werbetafel aus dem Deutschen Haus. Die wurde beschriftet und beklebt und war am Wettkampftag ein echter Hingucker am Pistenrand. Persönlicher Shuttleservice Untergebracht waren Johanna, Hannelore, Sandra und Melanie in der Pension „Happy Dream“ bei Mr. Happy Dream. Wenn es im Haus auch für deutsche Verhältnisse mit 17 Grad ziemlich frisch war und Fisch zum Frühstück mehr als gewöhnungsbedürftig, entpuppte sich Mr. Dream als perfekter Gastgeber. Er ließ es sich nicht nehmen, die Damen – übrigens seine einzigen Gäste – zu kutschieren. Der Phoenix Snow Park, die Wettkampfstätte für Freestyler, Skicrosser und Snowboarder, war mit 15 Autominuten nicht weit entfernt. Von dort fuhren Busse nach Pyeongchang, ins Olympische Dorf und nach Gangneung, mit dem wohl am meisten fotografierten Motiv der XXIII. Olympischen Winterspiele: den fünf Ringen, aufgebaut am weiten Strand mit Meerblick und Wellenrauschen. „Das hat mit dem strahlend blauen Himmel und dem Sonnenschein eher an Sommerspiele erinnert“, sagt Johanna. Freude pur An Ramonas Renntag bekam Johanna zum Frühstück kaum einen Bissen runter, auch kein Toast mit Marmelade. „Wir waren alle meganervös.“ Mit der gebastelten Werbetafel sicherte sich der Fanclub gleich in der Früh beste Plätze mit hervorragendem Blick auf den Kurs. „Wir haben so laut geschrien, dass wir damit alle Koreaner um uns herum angesteckt haben. Am Ende haben alle Ramona angefeuert“, erzählt Johanna. Und als die im Lauf um Platz drei tatsächlich vor der Konkurrentin über die Ziellinie fuhr, konnten es alle kaum fassen. Ein überwältigendes Gefühl. Die Bronzemedaille im Parallel Riesenslalom! „Es war pure Freude“, sagt Johanna. „Ich kenne Ramona schon so lange und ich weiß, dass damit ihr größter Traum in Erfüllung gegangen ist.“ Und der wurde abends im Deutschen Haus gebührend und ausgiebig gefeiert. Der verlorene Koffer ist übrigens auch wieder da. Er wurde direkt zu Ramonas Mutter geliefert. Und das Banner kommt dann einfach bei den nächsten Olympischen Spielen zum Einsatz. Fünf Fragen an … Johanna Kurz Ski oder Snowboard? Ski Tee oder Kaffee? Tee Breze oder Croissant? Es gibt nichts Besseres zum Frühstück als eine Breze mit Papa´s selbstgemachtem Quark. Pizza oder Pasta? Definitiv Pizza Prosciutto! Dein liebstes Haushaltsgerät? Ich koch gerne, also ist es der Herd.


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